2021-11-19

3 Fragen an den "Geldwäsche-Detektiv" Christopher Trippe

Christopher Trippe ist Head of Integrity & Intelligence bei Kerberos Compliance und ein erfahrener Berater. Vor seiner jetzigen Tätigkeit beriet er Unternehmen aus verschiedenen Branchen, z.B. dem Finanzsektor oder der Automobilindustrie, in Compliance-Fragen und forensischen Untersuchungen für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Im Interview mit der Redaktion des "Money Laundering Reporting Officer" geht es vor allem um die Frage, wie man Geldwäschebekämpfung - in diesem Fall insbesondere Geschäftspartnerprüfungen - effektiver, effizienter und vor allem digitaler gestalten kann und welche Rolle hierbei die Politik spielt.

Die Koalitionsverhandlungen zwischen der SPD, FDP und den Grünen sind im vollen Gange. Welche Maßnahmen sollten die P arteien in Deutschland, aber auch auf eur opäischer Ebene vorantreiben, um Geldwäsche effektiver zu bekämpfen?

Das Problem der Geldwäsche ist im Wahlkampf ein durchaus prominentes Thema gewesen. Nicht zuletzt durch die aktuelle Situation bei der FIU sowie die damit in Verbindung stehenden Ermittlungen. Ich bin der Meinung, dass Geldwäscheprävention mittlerweile immer mehr zum Thema in der Öffentlichkeit und Politik wird. Das finde ich ausdrücklich gut. Nun kämpfen wir an verschiedenen Fronten und Geldwäscher werden immer einfallsreicher, wenn es darum geht, Schwarzgeld zu verstecken und zu waschen. Die FIU bzw. das Finanzministerium als übergeordnete Behörde hat zuletzt 320 neue Planstellen bis 2024 geschaffen. Allerdings steigen
auch die Zahlen an Verdachtsmeldungen rapide. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass die FIU personell, aber auch technisch so aufgestellt ist, dass eine effiziente Bearbeitung von Verdachtsmeldungen sichergestellt ist.

Ein Mittel, um es Geldwäschern schwer zu machen, ist sicherlich überhaupt zu wissen, wer sein Geschäftspartner ist. Auch einfach um zu vermeiden, selbst als sogenanntes Geldwäsche-Vehikel von einem Geldwäscher ausgenutzt zu werden. Dies kann durch eine sorgfältige Know Your Customer (KYC) Prüfung abgedeckt werden, in der geschaut wird, wer an verantwortlicher Stelle als Geschäftsführer, Gesellschafter und vor allem als wirtschaftlich Berechtigter bei einem Geschäftspartner tätig ist.

Gerade die Identifizierung und die Überprüfung des wirtschaftlich Berechtigten sieht das Gesetz als durchaus zentrale und wichtige Prüfung an, um Geldwäsche-Compliance zu gewährleisten. Leider machen es mehrstufige Holding-Strukturen, Trusts oder die Firmierung in bekannten Niedrigsteuerländern schwierig, gerade diese Identifizierungen durchzuführen.

Daher wären öffentlich zugängliche, effiziente und idealerweise kostenfreie Zugriffe auf die europäischen Transparenzregister wichtig. Dies ist aktuell leider noch ein Flickenteppich in der EU. Hierzu hat unter anderem auch Transparency International Untersuchungen durchgeführt und ein zum Teil alarmierendes Bild gezeichnet. Zum Teil existieren weiterhin keine Transparenzregister in einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten, oder aber der Zugang ist beschränkt. In Ländern wie Deutschland beispielweise ist das Register zwar öffentlich, die Abfragen sind allerdings umständlich und kosten Geld. Hinzu kommt eine zum Teil schlechte Datenqualität. Es wäre daher aus meiner Sicht wichtig, hier schnell eine europäische Lösung voranzutreiben und es vor allem den Verpflichteten, welche ja die Geldwäschegesetze einhalten sollen, leichter zu machen.

Im Rahmen der Geldwäscheprävention wird häufig über künstliche Intelligenz und Automatisierung gesprochen. Welche Entwicklungen im Bereich der digitalen Geldwäscheprävention betrachten Sie als äußerst spannend?

Ich habe gerade ja schon den KYC Prozess angesprochen. Diese Prüfung von Geschäftspartnern zu streamlinen, also schneller und effizienter zu machen, ist sicherlich ein spannendes Feld. Zum einen kann hierdurch die Servicequalität verbessert werden, da auf ein Prüfungsergebnis nicht lange gewartet werden muss. Auch kann dies zu einer weiteren Verbesserung der Geldwäschebekämpfung führen. Denn, sind die Kosten überschaubar und die aufzuwendende Zeit gering, werden Manager eher gewillt sein, sich für robuste Compliance Prüfungen stark zu machen.

Klar ist aber auch, dass dies nicht so einfach getan wie gesagt ist. Eine automatisierte Abfrage und Prüfung hält durchaus Schwierigkeiten bereit, welche nicht einfach zu umschiffen sind. So sind beispielweise »false-positive« Treffer bei PeP-Abfragen durchaus schwierig automatisiert herauszufiltern. Auch ein eventuelles Adverse Media Screening ist, aufgrund der qualitativen Analyse von Presse und Social Media, nicht einfach durch eine Software durchführbar. Artificial Intelligence ist hier natürlich eine mögliche Lösung, dies ist aber, wie bereits gesagt, nicht einfach umsetzbar. Die Maschine muss schließlich erst einmal lernen, was »false-positive« ist oder welcher Artikel wirklich relevant ist.

In Ihrer Position als Head of Integrity & Intelligence bei Kerberos Compliance beschäftigen Sie sich täglich mit der Überprüfung von Geschäftsbeziehungen und Know Your Customer-Prozessen. Würden Sie sagen, dass Sie eine Art Geldwäsche-Detektiv sind? Von welchem besonderen Fall aus der Praxis können Sie berichten?

Geldwäsche-Detektiv hört sich spannend an. Und im Prinzip ist es durchaus Detektivarbeit, wir wollen schließlich analysieren wie die Strukturen eines Untersuchungsziels tatsächlich sind. Da bauen sich komplexe Netzwerke auf, welche wir dann visuell darstellen. Gerade, wenn man am Ende einer komplizierten Prüfung mit vielen Beteiligten und internationalen Verflechtungen dann doch den wirtschaftlich Berechtigten identifizieren konnte, ist man durchaus stolz. Fakt ist aber auch, wir möchten die Strukturen so darstellen, wie sie tatsächlich sind, daher sind Untersuchungen auch regelmäßig unauffällig. Und das ist auch gut so. Besondere Fälle hatten wir sicherlich schon einige. Zum Beispiel konnten wir einen Kunden durch unseren KYC-Bericht davon abhalten in ein Geschäftsverhältnis mit einem Unternehmen zu treten, dessen Geschäftsführung im Ausland bereits wegen Steuerhinterziehung und weiteren Vergehen verurteilt war. Dies hätte zumindest einiges an schlechter Presse für unseren Kunden gebracht.

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