17.01.2022

3 Fragen an den Kerberos-Geschäftsführer Andreas Engels

Der Kerberos-Geschäftsführer Andreas Engels war bei der FEV Group als CIO tätig und verbrachte als Manager bereits rund 15 Jahre in der Automobilbranche. Unter anderem verantwortete er die Posten des Vice President IT Europe sowie Deputy CIO North and Central America beim japanischen Automobilzulieferer Yazaki und war zudem bei der Daimler Financial Services AG und der Mercedes-Benz Bank in verschiedenen Positionen tätig.

In einem Interview spricht Andreas Engels über Produkte und Innovationen, die im Bereich der Geldwäscheprävention 2022 ganz oben auf der Agenda von Entwicklern und Compliance-Unternehmen stehen.

Lieber Andreas, Künstliche Intelligenz und Machine Learning sind Schlagwörter, die die gesamte Technologiebranche beschäftigen. An welche konkreten Einsatzmöglichkeiten denkst du, wenn wir über Geldwäscheprävention sprechen?

Geldwäsche-Compliance kommt häufig erst zur Sprache, wenn es bereits zu spät ist und ein Problem besteht. Dabei darf Compliance nicht reaktiv sein, sondern Teil jedes vorausschauenden Unternehmens, welches Bußgelder oder Reputationsschäden vermeiden möchte. Viele Unternehmen und Forscher arbeiten bereits jetzt branchenübergreifend an KI-Lösungen oder konkreten Anwendungen von Machine Learning. Besonders durch das automatische Füttern mit Signalen kann Machine Learning dabei helfen, eine höhere Proaktivität von Compliance zu erreichen, um Probleme zu lösen, bevor sie überhaupt entstehen. So kann beispielsweise die Prüfung von Transaktionen durch den Einsatz von KI dazu beitragen, dass Workflow-Automatisierungen eine Schnelligkeit und Qualität erreichen, die händisch kaum möglich sind. KI und Machine Learning sind für mich daher keine »Buzzwörter«, sondern eine konkrete Realität, an der wir als Team bereits intensiv arbeiten.

Glaubst du, dass Automatisierungen im Bereich der Compliance auch Skandale wie Wirecard verhindern oder die Bekämpfung der organisierten Kriminalität verbessern könnten?

Wenn Kriminelle bereits heute Kryptomixer oder international weit verzweigte Schattennetzwerke nutzen, um Gelder aus illegalen Aktivitäten zu waschen, reicht es nicht aus, als Regierung, Behörde und Unternehmen gleichzeitig mit Fax und Bleistift gegen diese Bedrohung anzutreten. Automatisierungen im Compliance-Bereich, sei es bei der Erfüllung der Verpflichtungen nach dem Geldwäschegesetz oder dem Austausch mit Behörden, können eine »Firewall« gegen Geldwäscher schaffen, um damit der organisierten Kriminalität massiv zu schaden. Skandale wie Wirecard bilden dabei nur die Spitze eines Eisbergs.

Was erwartest du im Bereich der digitalen Compliance im neuen Jahr? Was wäre für dich das Produkt, welches die Compliance-Welt revolutionieren würde?

Revolutionieren ist ein großes Wort. Wir haben noch viel vor und gehen Schritt für Schritt in die Digitalisierung und bilden mit unserer neuen Compliance-Plattform die Basis für weitere, spannende digitale Produkte. Dabei stellen wir fest, dass selbst einfache automatisierte Adressprüfungen komplex sein können. Kunden können auf der Compliance-Plattform auf einen Blick all ihre Leistungen – von Risikoanalysen, Richtlinien über KYC-Abfragen bis zu Schulungen – digital einsehen und verwalten. Für Risikoanalysen müssen nur wenige Fragen beantwortet und Dokumente hochgeladen werden. Der Rest wird im Hintergrund erledigt. Automatisierte Firmen-KYC oder das Prognostizieren von zu erwartenden Geldwäschefällen wären wahre »Game Changer«-Lösungen. Insbesondere der gesamte Kryptowährungsbereich, ob es sich um das Bezahlen, Tauschen, Verwalten oder Investieren handelt, wird die Geldwäsche-Compliance im neuen Jahr herausfordern. »Predictive« Geldwäsche-Compliance steckt noch in den Kinderschuhen. Der heutige AML-Markt und die bestehenden technischen Produkte sind vergleichbar mit denen der Cybersecurity vor etwa 5-7 Jahren. Damals waren die Technologien und Tools noch sehr reaktiv. Heute wäre Cybersecurity ohne »predictive Analytics« und KI nicht mehr denkbar. Daher beherrschen alle gängigen Cybersecurity-Tools heute KI und damit präventive Cybersecurity. Ich sehe hier starke Analogien zu unserem Markt. Umso mehr ergeben sich spannende Einsatzmöglichkeiten für unsere Plattform, die wir technologisch beantworten werden.

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Andreas Engels
Geschäftsführer

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