21.03.2023

Geldwäsche im Profisport - Interview mit Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands der Geldwäschebeauftragten e.V. Lena Olschewski

Wie groß ist die Gefahr, dass der Sport von Geldwäschern ausgenutzt wird? Dieser Frage widmeten die Geldwäsche-Expert:innen Lena Olschewski und Daniel Schmedding im Januar einen Aufsatz in der juristischen Fachzeitschrift "Sport und Recht" (SpuRt). Wir haben mit Lena Olschewski über ihre Erkenntnisse gesprochen.

Hallo Lena, vielen Dank für das Interview. Vor Kurzem erschien ein Aufsatz von dir und dem Rechtsanwalt Daniel Schmedding in der Fachzeitschrift „Sport und Recht“ (SpuRt). Darin behandelt ihr das Thema „Geldwäscherechtliche Regelungen und Risiken im Fußball“. Könntest du uns, für die Leser:innen die den Aufsatz noch nicht gelesen haben, kurz zusammenfassen, worum es hier geht?

Gerne, zum einen erläutern wir die Geldwäscherisiken im Profifußball. Diese sind übrigens keinesfalls allein auf den Fußball beschränkt, sondern können alle professionellen Sportligen betreffen. Bereits im Jahr 2007 gab es erste Berichte der EU-Kommission, welche die Gefahren des Profisports in Bezug auf Geldwäsche ansprachen. Anhand von Studien und weiteren Erkenntnissen stellen wir verschiedene Methodiken dar, welche zum Teil aus anderen Sektoren wie dem Güterhandel bereits bekannt sind. Daneben blicken wir auf die aktuelle regulatorische Situation und künftige Vorhaben und stellen dar, welche Auswirkungen die Einbeziehung des Profisports in die Maßnahmen der Geldwäscheprävention hätte.

Für den Aufsatz habt ihr auch Beispiele gesammelt, wie in der Vergangenheit über den Profi-Sport Geld gewaschen wurde. Kannst du uns Geldwäsche im bzw. durch den Profi-Sport einmal anhand eines Beispiels erläutern?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten wie zum Beispiel Investitionen in Vereine, Sponsoring oder Spielertransfers. Nehmen wir die Spielertransfers: hier werden große Geldmengen global gezahlt und die Gelder teilweise schnell über mehrere Länder transferiert. Dadurch sind die Geldbewegungen für Aufsichtsbehörden und Verbände schwierig zu kontrollieren. Aufgrund der schwer zu bestimmenden Marktwerte von Spielern besteht ein hohes Risiko, dass Geldwäscher sich die aus dem Güterhandel bekannte Typologie des „over- / under-invoicing“ bedienen. Also der künstlichen Erhöhung oder Verringerung des Kaufpreises über den realen Wert. Die Methodik mag beispielsweise auch in dem Fall des Spieler Marko Hanuljak eine Rolle gespielt haben. Der Kicker hat Ende März 2022 einen Artikel über den Spielerberater Pini Zahavi veröffentlich. In diesem Artikel geht es um die Arbeit des Agenten für den Club Royal Excel Mouscron, welcher im Jahr 2018 den Spieler Marko Hanuljak kostenlos verpflichtet und wenige Tage später an den AC Florenz für 1,5 Millionen Euro weiterverkauft habe, ohne dass dieser je ein Spiel für den Verein bestritten hätte. Der Kicker kommt zu der Erkenntnis, dass es nicht nachvollziehbar sei, woher eine solche Geldvermehrung kommen solle.

Inwiefern hätten Maßnahmen zur Geldwäsche-Compliance hier gegriffen?

Hier gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte. Ein Teil des Geldwäsche-Compliance-Systems ist es Bewusstsein für Risiken zu schaffen. Dieses wird unter anderem durch die Schulung von Mitarbeiter:innen hergestellt. Geschultem Personal in der Beratung und Buchhaltung beispielsweise könnten solche plötzlichen Wertsteigerungen auffallen. Sie würden diese Transaktionen in der Folge als Risiko einstufen und melden. Daneben gibt es verschiedene Sorgfaltspflichten in Bezug auf Vertragspartner:innen. Dazu gehört insbesondere die Einholung von Informationen und Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten. Also der Person, die hinter der Transaktion steht. Eine ordnungsgemäße Due Diligence hätte hier eventuell schon vorab Risiken anzeigen können.

Bremens Initiative, Profisportler zur Geldwäscheprävention zu verpflichten, ist erst vor Kurzem im Bundesrat gescheitert. Auch die Europäische Kommission und die FATF haben das Risiko von Geldwäsche – insbesondere über den Profifußball – schon festgestellt. Was spricht dagegen, den Profisport zur Geldwäscheprävention zu verpflichten? Welche Initiativen gibt es aktuell in dieser Hinsicht?

Nach dem Scheitern der Bremer Initiative, welcher sich auch das Bundesland Berlin angeschlossen hatte, hat die Justizsenatorin Schilling angekündigt weiter über die SPD-Bundestagsfraktion aktiv zu werden. Auch die aktuellen Entwürfe der EU-Kommission zum neuen EU-AML-Paket sehen eine Aufnahme von Profifußball und Spieleragenten im Fußball in den Verpflichtetenkreis des Geldwäschegesetzes vor. 

Man sagt häufig, der Fußball wäre ein Spiegelbild der Gesellschaft. Gerade in Deutschland. Trifft das auch auf die Geldwäsche zu?

Würde es keine Geldwäsche geben, bräuchten wir keine Geldwäschepräventionsmaßnahmen. Wenn wir einen Blick auf die Anzahl der polizeilich erfassten Fälle von Geldwäsche in Deutschland in den letzten Jahren werfen, sehen wir einen klaren Anstieg. Ähnlich bei der Anzahl der jährlich abgegebenen Verdachtsmeldungen an die Financial Intelligence Unit. Die Gründe hierfür könnten natürlich in einem erhöhten Geldwäscheaufkommen liegen, aber auch in einer strengeren Regulatorik, mehr Sensibilisierung der Verpflichteten und stärkerem Vollzug. Im Endeffekt ist die Diskussion um Geldwäscheprävention auf alle Bereiche übertragbar, die einen wirtschaftlichen Wert haben. Denn wo viel Geld im Spiel ist, finden sich auch Kriminelle, die diese Zahlungsströme für sich nutzen wollen.

Du bist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Geldwäschebeauftragten und CEO des JointVentures „legeARTIS“, dass sich auf Geldwäsche-Compliance für den Kunstmarkt spezialisiert hat. Dein Blick auf die Geldwäscheprävention ist vor allem von den Bedürfnissen und Anforderungen der Verpflichteten geprägt. Auf politischer Seite wird in letzter Zeit viel über Aufsicht und Prüfungen gesprochen. Worüber sprechen Verpflichtete und Geldwäschebeauftragte?

Für Geldwäschebeauftragte und Verpflichtete ist aus meiner Sicht vor allem eine praxistaugliche Geldwäscheprävention wichtig. Es bringt nichts Regeln auf dem Papier zu erlassen, die unklar und in der Praxis zu Teilen nicht umsetzbar sind. Dies überfordert Verpflichtete und führt im Ergebnis zur Nichteinhaltung. Dabei ist es wichtig die Verpflichteten frühzeitig miteinzubeziehen. Viele der Aufsichtsbehörden stehen einem Austausch mit den Verpflichteten sehr offen gegenüber. Auch auf regulatorischer Ebene ist dieser Austausch wichtig. Als BVGB haben wir uns daher im Rahmen des im Juni 2021 veröffentlichen EU-AML Paket viel mit Vertretern der Europäischen Kommission ausgetauscht und Input aus der Praxis gegeben. Wir haben dabei immer wieder gemerkt wie wichtig und hilfreich dieser Austausch für beide Seiten ist. Nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten – Gesetzgeber, Aufsicht, Strafverfolgung, Verpflichtete – können wir eine effektive und auch effiziente Geldwäscheprävention in Deutschland erreichen.

Autor:in



Otis Benning
Associate Marketing and Communications

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